Super B – Das finnische Kollektiv Oblivia übt den institutionalisierten Dilettantismus

Abgründe des Entertainments

von Georg Kasch

Heidelberg, 26. April 2014. Drei Performer warten auf Jean-Luc. Währenddessen fangen sie schon mal an mit etwas, das eine Probe sein könnte, eine Kontakt-Improvisation oder eine Show, wer weiß das schon so genau. In ihren bequemen Schlabberklamotten legen sie sich nebeneinander, rollen sich gemeinsam und übereinander zur anderen Seite der von vielen Scheinwerfern begrenzten Spielfläche, fragen einander nach dem Befinden. Sie rollen immer heftiger, diese ulkigen Typen, zwei Frauen, ein Mann, sicher über 40 und nicht unbedingt ideal geformt.

Performer tanzen für Dich

Sie heißen Anna Kryzstek, Timo Fredriksson und Annika Tudeer, sind die Gruppe Oblivia und üben in "Super B" den institutionalisierten Dilettantismus. Einmal animieren sie uns zum Mitsingen bei ABBAs "Thank You For The Music", was nur so lange funktioniert, bis sie den Refrain schräg gegen die Strophenbegleitung angrölen.

Oblivia SuperB 250 Eija Mkivuoti uWechselnde Konstellationen: "Super B"
© Eija Mkivuoti

Solche konkreten Szenen lösen sie in Schritte und Gesten aus dem Repertoire des zeitgenössischen Tanzes auf und lassen sie wiederum in zirkushaft-schräge Tableaus münden: Fredriksson legt sich auf Kryzstek, die sich vornübergebeugt hat, deren Rumpf Tudeer wiederum als Fixpunkt für eine unbeholfen-eingefrorene Präsentationsgeste nutzt: Hoppla, hier bin ich!

Überhaupt der Tanz: Da taugen Bewegungen, Töne und Konstellationen zu Sex-Metaphern, was erst durch Oblivias ernste Knautschgesichter zur Komik geadelt wird. Wie auch das demonstrierte Jodeldiplom mit engagiertem Eigenfettklatschen. Alles bleibt im Fluss in dieser Performance-Nummernrevue, die das Schmerzhafte des Entertainments mitunter ziemlich komisch serviert, oft vieldeutig, zuweilen beliebig. Und Jean-Luc, der Projektionsflächen-Übermann? Da halten es Oblivia mit Becketts Godot: Kein Held wird kommen.

Super B
von Oblivia
Konzept & Umsetzung: Timo Fredriksson, Anna Krzystek & Annika Tudeer. Tondesign: Juuso Voltti, Lichtdesign: Meri Ekola, Produktion: Marina Andersson-Rahikka.
Dauer: 1 Stunde, keine Pause

 

Zu den Essays über die finnische Theaterlandschaft von Matti Linnavuori und Friederike Felbeck



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