20000Seiten2 280 MatthiasHorn uCasting in der Gummizelle: "20 000 Seiten"
© Matthias Horn

20 000 Seiten

Lukas Bärfuss, 1971 in Thun geboren, absolvierte nach der Matura eine Ausbildung zum Buchhändler. Seit 1997 lebt und arbeitet er als freier Schriftsteller in Zürich. Er schreibt Prosatexte, Hörspiele und vor allem Theaterstücke. 1998 war er Mitbegründer der freien Theatergruppe 400asa. Für sein Stück "Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)" wurde er 2005 von Theater heute zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. Das Stück erhielt im gleichen Jahr den Mülheimer Dramatikerpreis. Bärfuss' Theaterstücke wurden in rund ein Dutzend Sprachen übersetzt und werden auf der ganzen Welt gespielt. 2008 erschien sein erster Roman "Hundert Tage", für den er u.a. den Anna-Seghers-Preis 2008 erhalten hat. Für sein literarisches Schaffen und ganz besonders seine Theaterstücke erhielt Bärfuss den Berliner Literaturpreis 2013.

Zum Inhalt

Dem Gelegenheitsarbeiter Tony fliegt bei einem unglückseligen Unfall ein 20 000-seitiges Lexikon auf den Kopf – ausgerechnet eine historisch-fundierte Untersuchung über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Und es kommt noch dicker: Der Inhalt ist fortan in Tonys Kopf gespeichert – seiten-, zeilen- und silbengenau. Dieses neu erlangte Wissen macht ihn ratlos und lasst ihn zusehends trauriger werden. Während sein Umfeld ihn zunächst für verrückt erklärt und er in einer Psychiatrie landet, versucht ein Manager wenig später, Kapital aus seinem »unnützen Wissen« zu schlagen. Als Gedächtniswunder geht Tony in einer Talentshow ins Rennen, bis auch die Wissenschaft auf ihn aufmerksam wird und ihn für ihre Zwecke als Versuchskaninchen missbraucht. Dem nicht genug, zerbricht auch noch seine Liebesbeziehung darüber.
Das Staatstheater Dresden legt eine Nachinszenierung in der Regie von Burkhard C. Kosminski vor, die den Weg des armen Tony in die Untiefen der heutigen Event- und Medienkultur feinfühlig nachzeichnet. Bärfuss’ Idee, einem heutigen Menschen per copy and paste lexikalisches Wissen über das Schicksal von Flüchtlingen zuzumuten, die während des Zweiten Weltkrieges Asyl in der Schweiz suchten, hat etwas Groteskes. Burkhard C. Kosminksi inszeniert es, als wäre es ein Stück Realität.
 

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